Online-Werbung 2.0 für das Social Web

Das Fernsehen ist schon ein ganz feines Medium. Zumindest für Werbetreibende. Der potentielle Kunde sitzt gebannt vor der Mattscheibe und lässt sich berieseln. Vielleicht noch eine Tüte Chips oder eine Flasche Bier lenken ihn vom wohldosierten Werbekonsum ab. Ein Traum. Ganz anders das Internet. Drei Stunden regungsloses Starren auf Facebook, Twitter oder Xing würden sich ganz schön hinziehen. Hier ist Aktion gefragt. Interaktion. Ein Alptraum für Werber.

Denn wer sich auf etwas konzentriert, der ist blind für alles andere. Auch für Werbung. Diese eher schlichte Weißheit hat sogar einen schönen englischen Namen. Sie heißt einprägsam Inattentional Blindness. Besonders im Social Web gibt es viel zu tun. Hier wird kommentiert, getwittert und gegruschelt. Pausenlos. Es wundert also wenig, dass Klickraten auf Banner oder Text-Ads besonders auf diesen Plattformen geradezu unterirdisch schlecht ausfallen.

Doch es kommt noch schlimmer. Vermeintlich innovative Online-Werbeformen wie Skyscraper, Flash Layer, Rectangles oder Super Banner sorgen im Social Web für pure Entrüstung. Sie stören. In der Youngcom Jugendstudie 2008 benannten nahezu 70 Prozent der befragten Jugendlichen Internetbanner als nervigste Werbeform. Auf Platz 2: Werbemails (67.6 %). Hier droht werbetreibenden Unternehmen massiver Imageverlust. Immerhin 42 Prozent der Kids verweigern laut eigener Aussage den Kauf, wenn sie Werbung zu sehr nervt. T-Online sollte vorsichtig sein.

Wenn eine Werbung nicht nerven und zudem die Inattentional Blindness überwinden soll, muss sie zwingend kontextbezogen sein. Auch hier zeigt Branchenprimus Google mit seinem kostenlosen Mail-System G-Mail, wie es funktionieren könnte. Schreiben sie ihrer Liebsten per G-Mail über ihre Probleme mit Ungeziefer, blendet Google daneben die Werbung ihres lokalen Kammerjägers ein. Datenschutzseitig etwas gewöhnungsbedürftig, aber genau so geht´s.

Doch die Werbevermarkter reagieren nicht. Kontextbezogene Werbemöglichkeiten sucht man auf Schüler- oder StudiVZ, Xing und Clipfish vergebens. Meist finden sich vereinzelt eingeblendete Google-Anzeigen (Placement Targeting), z.B. bei mySpace. Das war´s. Sehr dürftig.

Auch die noch immer praktizierte Berechnungsgrundlage nach Einblendungen (TKP) ist völlig antiquiert. Seit Adwords ist kaum einem Werbetreibenden mehr zu vermitteln, warum Online-Werbung nicht erfolgsorientiert honoriert werden kann. Und das zu Recht. Selbstbewusste Anbieter setzen schon jetzt auf Cost-per-Click (CPC) oder Cost-per-Order (CPO) Modelle, vor allem bekannt aus dem Affiliate-Marketing.

Ein Unternehmen muss dorthin, wo seine Kunden sind. Und diese sind im Jugendmarketing in Social Networks aktiv. Doch solange unsere Online-Vermarkter keinerlei Zugang zu diesen Kunden eröffnen, bleiben Plattformen wie SchülerVZ & Co. trotz Hunderttausenden von Besuchern für Werbetreibende uninteressant. Selbst die so innovative Online-Branche schafft es nicht, über ihren Schatten zu springen und hält verbissen, ja fast schon verängstigt an veralteten Akquise- und Verrechnungsmodellen fest.
Altersstarrsinn im Internet-Zeitalter …


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5 Antworten zu “Online-Werbung 2.0 für das Social Web”

  1. Steffen 11. Jun, 2008 bei 12:32 #

    Auf jeden Fall sollten sich die Online-Vermarkter beeilen. Ehe man sich versieht, hat es sich ausgegruschelt und die schönen Werbegelder sind futsch.

  2. Marcel 11. Jun, 2008 bei 23:29 #

    Was mich echt wundert ist, mit welcher Ausdauer einige Unternehmen im Web mit ihrer Werbung abnerven. Die müssen doch mal erkennen, dass diese Werbung immer im Weg ist und keine Freunde sondern nur Feinde macht. Kümmert die wohl nicht.

  3. Matthias 10. Jul, 2008 bei 22:41 #

    Was könntet ihr euch denn für neue Werbeformen vorstellen?
    Ich könnte mir z. B. denken, dass es gut wäre Marken Communitys einzurichten. Dann können Nutzer sich dort, wo sie sich eh schon vernetzen, auch noch mit anderen Fans einer Marke vernetzen. Das geht z. B. auf Facebook.

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    [...] Microsoft das Recht, bis zum Jahr 2011 Werbung an Facebook zu verkaufen. Inzwischen weiß man: Ein nicht ganz einfaches Unterfangen. Werbetreibende Firmen distanzieren sich, die Klickraten in Social-Networks sind durch die [...]

  2. ROXXO | YouTube und Warner trennen sich. Gut so. | hulu, Madonna, Musikvideos, Videoportal, Warner, YouTube - 05. Jan, 2009

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