Vorsicht bei Jugendreisen:
Betreuung (oft nicht) inklusive!

Das Angebot an Jugendreisen wächst stetig. Neben klassischen Ferienlagern, Sommercamps, Jugendfreizeiten der Kirchen oder der Wohlfahrtsverbände werden vermehrt auch Sprachreisen, Sporturlaube und Partyreisen für viele Altersklassen angeboten. Doch nicht immer ist auf den ersten Blick erkennbar, ob eine altersgerechte Betreuung der Kinder und Jugendliche gewährleistet ist. Eltern sind verunsichert.

Die erste Reise: Eine wertvolle Erfahrung
Kinder- und Jugendreisen bilden, soweit sie professionell und verantwortungsvoll durchgeführt werden, einen wichtigen Baustein in der Entwicklung des Jugendlichen zum Erwachsenwerden. Hier kann er sich in neuen Situationen ausprobieren, sich in einer Gruppe von Gleichaltrigen beweisen, kann Neues entdecken, einmal auf der Bühne stehen, Freundschaften knüpfen, kleinere Aufgaben übernehmen und sich abseits vom Elternhaus frei entfalten. Das ist eine wunderbare, einmalige Erfahrung, die viele von uns schon gemacht haben.

Betreuung: Bei Jugendreisen ein MUSS
Damit dies voller Spaß und ohne Risiken gelingt, benötigt eine Jugendreise ausgebildete Betreuer und Betreuerinnen. Diese jungen Menschen sind für das Gelingen der Reise, für die Programmgestaltung, die Sicherheit, aber auch für die gruppendynamischen Prozesse während der Reise unabdingbar. Sie sind keine „Aufpasser“, sondern arbeiten voller Spaß mit den Jugendlichen und begleiten sie durch ihren Urlaub. Idealerweise arbeiten in den Reisezielen noch weitere ausgebildete Mitarbeiter wie Köche, Sport- und Sprachlehrer, Nachtwächter oder Servicekräfte, damit sich die Teamer (Jugendreiseleiter) ganz auf ihre Arbeit mit den Jugendlichen konzentrieren können.

Die Auswahl und Ausbildung eines solchen Personals ist extrem aufwendig und teuer. Deshalb sparen zunehmend viele Veranstalter und auch gemeinnützige Institutionen an dieser Stelle, was leider vom Kunden oft nicht auf den ersten Blick zu erkennen ist. Denn auch hier wird erst einmal versucht, eine gute und sichere Betreuung auszuschreiben.

Die Ausbildung bestimmt die Qualität
Doch woran erkennen Eltern den Grad und die Professionalität der Betreuung? Seriöse Jugendreiseveranstalter halten in ihren Katalogen und auf ihren Internetseiten umfangreiche Informationen zur Betreuung bereit. Manche betreiben sogar eigene Ausbildungszentren, die ebenfalls im Internet zu finden sind. Hier sollte zu lesen sein, welche Jobprofile es gibt, wie die Auswahl und die Ausbildung der Mitarbeiter verläuft und ggf. ob es offizielle Belege oder Zertifikate für die Qualität der Ausbildung gibt. Auch das Mindestalter der Betreuer und deren Qualifikationen sollten angeben sein. Sind diese Informationen nicht sofort ersichtlich, ist zunächst Vorsicht geboten und ein Anruf beim Veranstalter sollte diese Fragen unmissverständlich beantworten.

Betreuung kann nicht jeder leisten
Viele gemeinnützige aber auch gewerbliche Anbieter lassen ihre Ferienfreizeiten von verdienten Menschen begleiten, die aus der Jugendarbeit oder aus dem Sportverein im Ort bekannt sind. Eine Jugendreise stellt jedoch völlig andere Ansprüche, als zum Beispiel das Training einer D-Jugend Mannschaft. Auch rechtlich ist ein anderer Background erforderlich, um beispielsweise die Einhaltung des Jugendschutzgesetzes im Gastland zu gewährleisten. Gemeindemitglieder, Jugendpfleger oder Sporttrainer bieten zwar gute Voraussetzungen, als Jugendreiseleiter zu arbeiten, müssen aber zwingend umfangreiche Zusatzausbildungen genießen, um diese Aufgabe verantwortlich ausfüllen zu können.

Vorsicht: Begleitung ist keine Betreuung
Doch auch die Formulierungen in Katalogen und auf Internetseiten bergen so ihre Tücken. Viele Eltern erkennen zunächst nur schwer, ob es sich um eine betreute oder lediglich eine begleitete Reise ohne Betreuungsleistung handelt. Hier ein Beispiel für eine Ausschreibung eines Jugendreiseveranstalters für Reisen ab 14 und ab 16 Jahren:

Aus diesen Beschreibungen geht nicht hervor, ob und in welchem Umfang eine Betreuung der Gäste erfolgt. Lediglich eine telefonische Erreichbarkeit wie auch eine Anwesenheit werden zugesichert. Hier wäre ein Anruf beim Veranstalter sicher angebracht, um aufkommende Zweifel zu zerstreuen.

Sicher ist sicher
Um die Seriösität und Kompetenz eines Reiseveranstalters, einer gemeinnützigen Institution oder eines Wohlfahrtsverbandes in Punkto Betreuung einschätzen zu können ist es hilfreich, einige Fragen zu stellen, die auf deren Internetseiten, im Katalog oder am Telefon Beantwortung finden sollten. Sie können helfen, sich ein erstes Bild über die Zuverlässigkeit und Erfahrung des Veranstalters zu machen. Hier eine kleine Auswahl möglicher Punkte, die als erste Orientierungshilfe dienen kann:

Checkliste: Seriosität des Veranstalters

  • Ist der Veranstalter der Reise bekannt, bzw. schon lange am Markt vertreten?
  • Ist der Reiseveranstalter politisch, ideologisch und konfessionell neutral?
  • Wurde der Veranstalter zertifiziert, z.B. mit der Qualitätsnorm DIN EN ISO 9001?
  • Wurde der Veranstalter vom TÜV oder dem deutschen Kinderschutzbund zertifiziert?
  • Wurde der Veranstalter mit dem Reisenetz-Qualitätssiegel ausgezeichnet?
  • Ist er anderen Verbänden angeschlossen?
  • Sind die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGBs) vollständig einsehbar?
  • Ist der Veranstalter insolvenzversichert?
  • Betreibt der Veranstalter der Reise eine eigene Abteilung zur Mitarbeiterausbildung?
  • Hat der Veranstalter schon wissenschaftliche Bücher und Publikationen veröffentlicht?
  • Hat der Veranstalter seine Wurzeln im Jugendreisen mit pädagogischem Anspruch?

Checkliste: Qualität der Betreuung

  • Werden die Reiseleiter sorgfältig in mehrstufigen Verfahren ausgewählt?
  • Werden sie in allen relevanten Bereichen einer Jugendreise umfangreich ausgebildet?
  • Werden die Reiseleiter für ihre Tätigkeit entlohnt oder machen sie lediglich „Urlaub“?
  • Wurde der Veranstalter mit dem Qualitätssiegel der pädagogischen Begleitung des
  • BundesForums Kinder- und Jugendreisen e. V. ausgezeichnet?
  • Ist ein Betreuer für alle Bereiche verantwortlich oder gibt es vor Ort mehrere Jobprofile?
  • Welcher Betreuungsschlüssel liegt vor: Wie viele Reiseleiter betreuen die jungen Gäste?
  • Tragen die angebotenen Reisen eine eindeutige Altersempfehlung?
  • Ist eine gleichgeschlechtliche Betreuung für Jungen und Mädchen gewährleistet?
  • Wird der Reiseleiter vor Ort von anderen Kolleginnen und Kollegen unterstützt?
  • Wie ist das Mindestalter für verantwortliche Jugendreiseleiter?
    Sind sie mindestens drei Jahre älter, als ihre Gäste?
  • Besitzen die Jugendreiseleiter ein polizeiliches Führungszeugnis?
  • Verfügen die Jugendreiseleiter über einen DLRG- und/oder Erste-Hilfe Schein?

Hilfreiche Links:

Bundesforum Kinder- und JugendreisenMitgliederverzeichnis
Das Reisenetz, deutscher Fachverband für Jugendreisen – Mitgliederverzeichnis
Qualitätsmanagement Kinder- und Jugendreisen – QMJ zertifizierte Organisationen
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Informationen zum Projekt „Gut drauf”
Deutscher Kinderschutzbund: Projekt “OK für Kids” – Referenzen
IFKA: Institut für Freizeitwissenschaften und Kulturarbeit e.V.
RUF Akademie: Ausbildung, Forschung und Konzepte für den Jugendtourismus
Literaturempfehlung: Qualität im Jugendtourismus
Literaturempfehlung: Pädagogik des Jugendreisens
Studie: Zufriedenheit von Eltern mit Jugendreiseveranstaltern


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5 Antworten zu “Vorsicht bei Jugendreisen:
Betreuung (oft nicht) inklusive!”

  1. Birgit 26. Jun, 2011 bei 15:00 #

    Danke für die Infos. Gibt es vielleicht eine Internetseite, auf der man sich als Mutter/Vater unabhängig über betreute Jugendreisen informieren kann? Meine Tochter ist jetzt 13 und möchte gern mit einer Freundin verreisen. Mir ist es sehr wichtig, dass der Reiseveranstalter verantwortungsvoll und erfahren ist. Mit der Kirche hier im Ort habe ich leider schon schlechte Erfahrungen bei der Betreuung von Jugendfreizeiten und auch Tagesangeboten in den Ferien gemacht. Aber behaupten, dass die Betreuung gut ist, das tut erstmal jeder … Viele Grüße Birgit

  2. Dirk 30. Jun, 2011 bei 19:38 #

    Hallo Birgit,

    da kann ich dir die Seiten des Bundesforums und des Reisenetzes empfehlen. Das sind die beiden Branchenverbände für Jugendreisen und informieren veranstalterübergreifend zu Qualitätsthemen. Darüber hinaus veröffentlicht RUF Jugendreisen schon seit einigen Jahren einen Elternratgeber, der viele Tipps und Infos für Eltern zur ersten Reise enthält.

    Zu finden unter: http://www.ruf-jugendreisen.de/info/elternratgeber.asp

    Viele Grüße
    Dirk

  3. Emma 27. Jul, 2011 bei 23:47 #

    Hallo Birgit!
    Ein Seite, oder besser ein Verband, bei dem du dich ebenfalls sehr gut informieren kann ist der FDSV – Fachverband Deutscher Sprachreise Veranstalter e.V. (www.fdsv.de), welcher nur geprüfte Veranstalter aufnimmt, die bestimmte Kriterien erfüllen.
    Ein Sprachreiseveranstalter mit dem ich schon mehrmal verreist bin (als Jugendliche und junge Erwachsene) ist Offaehrte Sprachreisen (www.offaehrte.de). Ich hatte immer unglaublichen Spaß auf den Reisen und die Betreuer (ja, es gab welche :D ) waren ebenfalls toll.
    Vielleicht ist das ja auch etwas für deine Tochter – ich kann den Veranstalter nur empfehlen!
    Viele Grüße,
    Emma

  4. dwosch 07. Sep, 2011 bei 19:32 #

    die kommentare sind nicht so ganz ernst zu nehmen. wenn reiseveranstalter sich oder kollegen gegenseitig empfehlen ist dies problematisch. das gütesiegel kann sich nicht jeder leisten- gerade im kirchlichen bereich gibt es hervorragende betreuung, die einige große gar nicht leisten wollen oder können. selbst lobhudelei in fachblättern bringt dem kunden wenig, da ein reisebüro reisen wegen der provision verkauft. es gibt keine internetseite, auf der man sich unabhängig informieren kann ! schade, es gibt nicht mehr den jugendfahrtendienst und das jugendferienwerk nrw.

  5. EberhardT 15. Nov, 2011 bei 18:03 #

    Guten Tag,
    Sicherlich gibt es im kirchlichen Bereich in manchen Fällen auch richtig gute Betreuung, ich habe aber die Erfahrung gemacht dass dort oft auch sehr junge noch nicht Volljährige betreuen und schnell überfordert sind, da ist die “Professionalität” der Betreuung z.B. bei Ruf sicherlich routinierter.
    Ich bzw. meine Kinder haben mit beidem gute Erfahrungen gemacht, aber die Professionalität der Mitarbeiter und die Betreuung war dann meines Erachtens doch bei ruf verlässlicher.
    Mit freundlichem Gruß,
    Eberhard

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