Kindermarken machen Urlaub.

Deutschlands Eltern sind schon seltsam. Nicht nur, dass sie immer älter werden, sie kleben förmlich an ihren Kids. Ich bin selbst ja auch so. In Ländern wie England, Frankreich oder den USA sieht das ganz anders aus. Hier werden die Kids viel eher “weggeparkt”, um berufstätige Mütter zu entlasten. Und als Resultat dieses frühen Abnabelns machen die Kids auch viel eher ohne ihre Eltern Urlaub. Völlig selbstverständlich fahren Achtjährige mit Freunden in Sommerferienlager. Hunderte von Kids Summer Camps in den USA beglücken jedes Jahr hundertausende von Kindern und Jugendlichen. Und deren Eltern. Denn die haben Ruhe. Es gibt selbst Kreuzfahrtangebote nur für Kinder. In Deutschland schlicht undenkbar. Noch.

Kinderreisen sind eine Frage des Vertrauens. Und natürlich des Programms. Um es sehr vereinfacht auszudrücken: Die Eltern müssen ihre Kids in guten Händen wissen und die Kids müssen einfach Lust auf den Urlaub haben. Dies ist nicht einfach, denn mit Stockbrot backen und Wandergitarre allein, lässt sich kein cooler Zehnjähriger mehr hinter der Playstation hervorlocken. Doch es kommt Bewegung in die deutsche Kinderreisewelt.

Dass es auch anders geht, zeigte der Ehapa-Verlag erstmals im Sommer 2006. Als Weltpremiere wurde das Micky-Maus-Camp geboren. Und das nicht in Orlando oder Hollywood, sondern in Vethem bei Walsrode in der Lüneburger Heide. Bereits im ersten Jahr konnte Ehapa dort mehr als 2.400 kleine Gäste begrüßen und ihnen die Welt des Fähnlein Fieselschweifs näher bringen. Eine überaus gelungene Mischung aus Erlebnispädagogik und Markeninhalten.

Bereits im folgenden Jahr startete SuperRTL mit seinem Flagschiff TOGGO ein neues Reiseangebot: Das TOGGO Sommercamp fand im Sommer 2007 zeitgleich in drei deutschen Ferienregionen statt. Auch diese Premiere war mit einigen tausend Gästen ein achtbarer Erfolg. Schon jetzt zeigen weitere starke Kindermarken Interesse, ihre Aktivitäten in dieses Segment auszuweiten. So zum Beispiel die Traditionsmarke Wendy, ebenfalls im Ehapa-Verlag beheimatet, die pferdebegeisterte Mädchen 2008 ins Wendy-Camp einlädt.

Es geht also doch. Deutschlands Kids wollen ohne Eltern verreisen. Es braucht nur Reisethemen, die sie wirklich begeistern. Und dies sind Abenteuer mit Tick Trick und Track, Kim Possible, Sportakus oder Wendy. Experten prognostizieren dem Kinderreisemarkt großes Wachtum. Wenn, ja wenn die richtigen Themen gesucht und gefunden werden. Eine nette Denksportaufgabe für alle Marketingverantwortlichen deutscher Kindermarken. So über die Feiertage.


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4 Antworten zu “Kindermarken machen Urlaub.”

  1. Jan 30. Nov, 2007 bei 20:54 #

    Auch deutsche Kinder fahren bereits seit vielen Jahren gerne ohne ihre Eltern auf Ferienfreizeiten. Ich habe das mit sieben Jahren schon gemacht und bin mittlerweile ehrenamtlich für den Ferienexpress e.V. tätig. Bei uns können Kinder schon ab 7 (Geschwisterkinder ab 6 Jahren) mitfahren. Wichtig ist, dass die Freizeiten besonders auf die Bedürfnisse der jeweiligen Altersstufe ausgerichtet und die Altersgruppen sehr eng eingeteilt sind.
    Der Markt für Kinder- und Jugendreisen hat im Moment das Problem, dass nicht mehr so viel Geld für die Kinder ausgegeben wird. Da buchen viele Eltern lieber die Stadtranderholung als eine etwas teurere Reise mit Übernachtung. Leider – denn wie du schon schreibst, bieten Freizeiten mit Übernachtung den Eltern die Chance auf eine ein- bis zweiwöchige “Auszeit”.
    Wir beobachten auch den Trend hin zu Themenreisen im Kinderbereich, wobei es nicht so sehr auf die Marke wie “Micky Maus” ankommt, sondern mehr auf das Erlebnis. Natur Bewegt e.V. bietet zum Beispiel in Kooperation mit dem Jugendherbergswerk bereits seit vielen Jahren erfolgreich Ritter-, Räuber-, Survivalcamps und andere Erlebnisfreizeiten an. Auch unser Verein hat davon einige ins Programm mit aufgenommen.
    Meiner Meinung nach sollten Eltern übrigens mit den Markencamps vorsichtig sein. Der Veranstalter, der hinter den Markenfreizeiten steht, sollte die nötige Erfahrung im Bereich Kinderreisen haben. Da werden enorm große Camps mit sehr vielen Kindern “aus dem Boden gestampft” obwohl die Veranstalter eher Erfahrung in Jugendreisen und den Kinderreisebereich seit einigen Jahren eingestellt haben. Bei einem Camp mit 2.400 Kindern über die Ferien verteilt) kann das schon mal Probleme geben

  2. Silke 01. Dez, 2007 bei 13:07 #

    Hallo Jan,
    Hallo Dirk,

    mein Sohn war diesen Sommer im Micky Maus Camp und wurde meiner Meinung nach her-vor-ragend betreut. Es waren reichlich Kinderteamer, Köche, Animateure, Busbegleiter und selbst Sanitäter vor Ort. Wir bekamen bei der Anreise eine kurze Führung in der Ferienanlage und konnten mit allen Betreuern persönlich sprechen. Ich denke, solch eine Professionalität kann nur ein großer Anbieter mit festen Qualitätsstandards bieten. Nebenbei war er schlicht begeistert und wird kommendes Jahr sicher wieder mitfahren.

    Grüße
    Silke

  3. Tom 09. Dez, 2007 bei 21:15 #

    Hey Jan, ich bin sozusagen der Ober/ALT-RUFi.

    Ich kann dir nur sagen, dass ich schon Kinderreisen gemacht habe, bevor Olliver Hauck und andere den Ferienexpress überhaupt gegründet haben. Meines wissens war das auch eine Reaktion damals auf die Konkurse(das hieß damals noch so) vom Fahrtendienst und von Youngtours(beide Köln), aber auch als “Ergänzung” des Programms des kath. Ferienwerkes köln. RUF hat immer Kinderreisen gemacht, da liegen sogar seine Wurzeln.
    Ich war z.B. von 1978-1980 Leiter von Kinderfreizeiten der Caritas Grevenbroich.
    RUF hat das nie in seinen Jugendprogrammen publiziert, warum auch, da gehören sie ja auch nicht hin. Fakt ist, der Kinderreisemarkt im Westen war in den 80igern noch schwieriger als der Jugendreisemarkt und junge Akademiker mussten Geld verdienen, da man ihnen keinen Job gab. also machten wir Jugendreisen.
    Richtig ist natürlich aber auch, dass der Ferienexpress und Natur bewegt und andere…sicherlich schon sehr lange am Markt sind und auch mit Sicherheit gute Arbeit leisten.
    Was RUF bewegt ist natürlich, ob es wieder gelingt, wie in den Hochzeiten des Sozialtourismus im Westzen und zu den besten Zeiten im Osten, Kinderreisen wieder zu einem größeren Bestandteil der Freizetplanung von Eltern zu machen. Unsere Zahlen über das organisierte Kinderreisen in Deutschland sind ja nun noch verheerender als die im Jugendbereich.
    Ausser Euch und einigen wenigen ist das Produkt ja noch fragmentierter, sozusagen atomisiert abzutreffen. Wer schon Angebote für insgesamt 500-1000 Kids anbietet, gilt schon als KinderreiseGigant.
    Wir bringen jedenfalls diese Woche einen umfassenden 100Seiter raus, mit dem sicherlich umfassendesten und qulitativ anspruchsvollsten Angebot, dass es in den letzten 30 Jahren gegeben hat (solange mische ich schon mit)
    Es wird vollständig über alle Vertriebskanäle buchbar sein(also auch über 7000 Reisebüros; ein Novum)und ist auf 12000-15000 Teilnehmer ausgelegt, davon etwa 12000 auf das Alter 8-10 und 11+12, der Rest für Teenies , für 13+14Jährige. Bin mal gespannt, wenn der vorliegt, was ihr dazu sagt.

    Grüße

    Tom

  4. (noch ein) Jan 07. Feb, 2009 bei 13:11 #

    Hallo Silke,

    Professionalität hängt m.E. nicht von der Größe des Anbieters ab, sondern eher mit den “festen Qualitätsstandards”. Die Frage ist allerdings was die beinhalten. Man wird es den Eltern nicht abnehmen können, genauer hinzusehen.

    MfG Jan ;-)

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