Archiv der Kategorie 'Jugendpresse'
Sie trinken bis zum Augenstillstand, schlagen sich und anderen die Köpfe ein, sind alle Nazis, werden immer dümmer und nun schon mit 14 Jahren kriminell. Auf keiner Bevölkerungsgruppe lässt sich so willkürlich und ungestraft eindreschen, wie auf der Jugend. Das sollten Sie ´mal mit Autofahrern, Kleingärtnern oder Hundebesitzern versuchen.
Nach dem Radio und den Jugendzeitschriften geht es jetzt auch dem Fernsehen empfindlich an den Kragen: Das Medium Internet hat dem TV bei jungen Nutzern den Rang abgelaufen. Wie die noch handwarme Studie “Mediascope Europe 2007” berichtet, nutzen 75 Prozent der befragten 16- bis 24-Jährigen fünf bis sieben Tage die Woche das Internet. Der Fernseher kommt jedoch nur noch bei 66 Prozent der Probanden regelmäßig zum Einsatz. Somit liegen die Jugendlichen in der Fernsehnutzung satte 13 Prozent unter dem Durchschnitt aller Altersklassen. Das muss die Werbewirtschaft erstmal verdauen.
Um Gottes Willen. Sie haben es getan. “Jugendsprache unplugged” ist im Langescheidt-Verlag erschienen. “Die garantiert aktuelle Verständnishilfe für junge und alte Nicht-Insider … zeigt die ganze unverblümte Wahrheit über die Jugendsprache”, so die vollmundige Pressemitteilung. Ein ambitioniertes Projekt. Dass Langenscheidt konsequent und außerordentlich erfolgreich an seinem verstaubten Image arbeitet, zeigen Verkaufserfolge wie “Deutsch-Frau/Frau-Deutsch” mit Mario Barth oder “Chef-Deutsch/Deutsch-Chef” mit Bernd Stromberg alias Christoph Maria Herbst. Beide äußerst erfrischend und mit einer gehörigen Portion Selbstironie gespickt. Doch jetzt wagen sich die Orthographie-Puristen an ein heikles Thema: Die Jugendsprache.
Die Lage ist ernst. Sehr ernst. Und, wie ich meine, hoffnungslos. Die Auflagen der Jugendzeitschriften sinken ins Bodenlose. Unbarmherzig. Seit dem Jahr 2001 hat Flaggschiff BRAVO seine Auflage nahezu halbiert, von 895.000 auf 454.000 verkaufte Exemplare (IVW). Allein im vergangenen Jahr musste ein Rückgang von 16 Prozent hingenommen werden. Den Kontrahenten geht es nicht besser. Die Popcorn verlor 33 Prozent, die Hey! sogar fast 45 Prozent. Es gibt keine Gewinner, Ratlosigkeit macht sich breit. Verzweifelung.
Wie Sebastian Marquard in seinem Zeitschriftenblog berichtet, wird der Bendorfer Runway-Verlag ab dem 15. November “SLM - Das Second Life Magazin” auflegen. Mit satten 30.000 Exemplaren soll es in den Markt gedrückt werden. Imposant. Somit spielt das neue Magazin schlagartig in einer Liga mit so epochalen Titeln wie der “Pferde Börse” oder der “Opel Szene”. Erfolg kann man bekanntlich erzwingen - Mißerfolg wahrscheinlich auch. Der Copy-Preis beträgt stolze 3,99 €.
Hier ein kurzer Hinweis, sozusagen in eigener Sache. Neben den bereits im vergangenen Jahr sehr erfolgreichen Kooperationen mit SuperRTL (TOGGO Sommer Camp) und dem Ehapa Verlag (Micky Maus Magazin Camp) wird RUF Jugendreisen 2008 das Wendy-Camp eröffnen. Speziell für Mädchen im Alter zwischen 8 und 14 Jahre konzipiert, bietet das Wendy-Camp Reiterferien mit vielen Extras.
Die Branche hält den Atem an: “Die MTV Networks-Studie “Generation NICK” wirft einen Blick in Deutschlands Kinderzimmer”, so die vollmundige Ankündigung der gestrigen Pressemitteilung des Senders. Als Betroffener kann ich nur sagen: Das sollte sie sich nochmal gut überlegen. Die in der Studie behandelten Fragen aber lassen in der Tat die Pupillen jedes Jugendmarketing-Interessierten in freudiger Erregung zumindest leicht weiten: “Wie sind die Kids von heute? Welches Bewusstsein haben sie gegenüber Marken und Werbung oder dem gesellschaftlichen Geschehen? Wie gestaltet sich die Mediennutzung? Welchen Stellenwert hat die Familie?” Ich wurd´ schon ganz wuschig.
Mit dem BRAVO HipHop Special scheint der Bauer Verlag noch einiges vor zu haben. Erstmals im Jahr 2005 als Sonderheft erschienen, schickten die Münchner den Titel 2007 schon alle zwei Monate ins Rennen. Nun, ab 2008, soll er gleich monatlich zu einem Copy-Preis von stattlichen 3 € am Kiosk bereit liegen.
Vor 30 Jahren war das Fernsehen ein erfrischend junges Medium. Scharenweise hockten wir Kids um die Glotze, guckten unsere kleine Farm, Kimba, Catweazle, Rappelkiste, Raumschiff Enterprise, die Fraggles oder Tim Thaler und wir ließen uns nur mit massiver körperlicher Gewalt oder einer schönen Pommes Mayo von dieser weg bewegen. Vor 30 Jahren. Da gab es noch kein Internet, keine Podcasts, keine PSP, kein ICQ und keine Handys. Damals. Da war die Welt noch … langweilig. Da gab es nur das Fernsehen.